Queer*Welten: 01-2020 (Heft)

(1 Kundenrezension)

7,99 

Queer*Welten Band 1
Heft A5, 56 Seiten,
Ach je Verlag 2020 Berlin, AT&Tlantis, Tschuri

ISBN: 9783947720514

Ebenfalls als Ebook erhältlich

Lieferzeit: 2-3 Werktage

Beschreibung

Queer*Welten ist ein vierteljährlich erscheinendes queerfeministisches Science-Fiction- und Fantasy-Zine, das sich zum Ziel gesetzt hat, Kurzgeschichten, Gedichte, Illustrationen und Essaybeiträge zu veröffentlichen, die marginalisierte Erfahrungen und die Geschichten Marginalisierter in einem phantastischen Rahmen sichtbar machen. Außerdem beinhaltet es einen Queertalsbericht mit Rezensionen, Lesetipps, Veranstaltungshinweisen und mehr.

In dieser Ausgabe:
Nebelflor von Annette Juretzki (Kurzgeschichte)
Feuer von Lena Richter (Kurzgeschichte)
Die fortgesetzten Abenteuer des Spaceschiffs Plastilon von Jasper Nicolaisen (Ballade)
Die Heldenfresserin von Anna Zabini (Kurzgeschichte)
Von Orks, Briten und dem Mythos der Kriegerrassen (Teil 1) von James Mendez Hodes (Essay)

Zusätzliche Information

ISBN

9783947720514

Verlag

Ach je Verlag

Umfang

56 Seiten

Herausgeberinnen

Lena Richter, Judith Vogt, Kathrin Dodenhoeft

Endkund*innenrabatt

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1 Bewertung für Queer*Welten: 01-2020 (Heft)

  1. jonasjrichter

    Die erste Ausgabe des Magazins Queer*Welten erschien im Juni 2020, die nächste Ausgabe ist bereits für diesen Monat (August) angesetzt. Grundsätzlich soll alle drei Monate ein Heft herauskommen.

    Queer*Welten ist als Plattform für queerfeministische Fantasy und Science-Fiction geplant. Die Inhalte sollen also nicht unbedacht sexistische, patriarchale, heteronormative, rassistische u.a. Marginalisierungen wiedergeben, sondern die dahinterstehenden Gesellschaftsstrukturen reflektieren, hinterfragen und überwinden. Intersektionalität und Inklusion sind ebenso gefragt wie Own Voices, also Beiträge von Personen, die in ihren Identitäten selbst Diskriminierungserfahrungen ausgesetzt sind.

    Seitens der Herausgeberinnen enthält die erste Ausgabe ein Vorwort (in dem das Konzept beschrieben und zu Einsendung von Beiträgen aufgerufen wird) und einen „Queertalsbericht“, der eigentlich von Veranstaltungen berichten sollte und corona-bedingt statt dessen auf einige Bücher hinweist. Vom Vorwort und dem Queertalsbericht eingerahmt finden sich drei Kurzgeschichten, ein Gedicht und die Übersetzung des ersten Teils eines zweiteiligen Essays.

    Die erste Geschichte, „Nebelflor“ von Annette Juretzki, ist vermutlich mein persönliches Highlight des Heftes. Fantasy, Gespenstergeschichte und Murder Mystery in eins, erzählt Juretzki die Geschichte von Korja, einer Kriegerin, die ihrem Gespür für ruhelose Geister in ein Dorf folgt. Dort wird sie allerdings nicht nur wie gewohnt mit Mordfällen und Aggression konfrontiert, sondern auch mit einem Menschen, der sie sanft nach sich selbst fragt. Die mehrschichtige Story ist elegant aufgebaut und führt uns als Publikum gekonnt an ihre Protagonistin heran.

    Jasper Nicolaisens Gedicht „Die fortgesetzten Abenteuer des Spaceschiffs Plastilon“ war insgesamt weniger mein Ding. Für Queer*Welten ist das natürlich positiv, weil es zeigt, dass das Heft eine größere Bandbreite bedient als nur meinen persönlichen Geschmack. Beim „Spaceschiff Plastilon“ handelt es sich um bunten, quirligen Space-Trash, sprachspielerisch bis zum Anschlag aufgedreht und als Zu-Bett-Geh-Gedicht für Kinder präsentiert. So weit, so gut! 🙂 Was mich stört, ist eine gewisse sprachliche Inkonsistenz an manchen Stellen, die auf mich ziellos bzw. unbegründet wirkt. An anderen Stellen finde ich die sprachlichen Freiheiten nachvollziehbar und effektvoll eingesetzt; insgesamt war mir der Text aber zu unausgewogen.

    Die Kurzgeschichte „Feuer“ von Lena Richter (einer der Herausgeberinnen) ist der einzige Text, den ich schon kannte (vgl. meine Rezension). Tarnik, aus dessen Ich-Perspektive die Geschichte erzählt ist, leidet unter heftiger Wut, die ihn manchmal unkontrollierbar wie ein inneres Monster anfällt. Davongelaufen, stößt er unerwartet auf eine verletzte Amazone. Wie aus den Geschichten, die er so liebt. Er entschließt sich, zu helfen – und unverhofft wird sein Leben verändert. Mir gefällt die Geschichte sehr gut: Geschicktes Worldbuilding, gekonntes Abholen und Mitnehmen der Leserschaft, und an manchen Stellen wird mit wenigen, unscheinbaren Worten ziemlich viel geleistet.

    „Die Heldenfresserin“ von Anna Zabini ist die letzte Kurzgeschichte der ersten Ausgabe. In ihr diskutiert und verhandelt Penthesilea als Ich-Erzählerin verschiedene Erzählweisen ihrer Geschichte. Schonungslos kontrastiert Zabini die Grausamkeiten und Willkürlichkeiten des Mythos mit unserem Bild glanzvoller Heroen. Sie klaubt vom blutigen Schlachtfeld auf, was bei dieser Heldenkonstruktion auf der Strecke bleibt, und sucht nach Alternativen, in denen Penthesilea ein Eigenleben entwickelt.

    Queer*Welten soll in jeder Ausgabe auch einen nonfiktionalen Text enthalten, und in dieser Ausgabe ist es der erste Teil eines Essays von James Mendez Hodes über „Orks, Briten und den Mythos der Kriegerrassen“. Mendez hat diesen zweiteiligen Essay über den Einfluss rassistischer Bilder auf die Orks in Tolkiens Werk 2019 auf seinem Blog veröffentlicht (Orcs, Britons, and the Martial Race Myth); es ist zu hoffen, dass er nun in der deutschsprachigen Phantastik Aufmerksamkeit findet.

    Die drei Herausgeberinnen Judith Vogt, Lena Richter und Kathrin Dodenhoeft haben herausragende Arbeit geleistet. Ich begrüße auch die Entscheidung, den Texten Inhaltswarnungen voranzustellen. Layout und Gestaltung gefallen mir, lediglich die Bindung (Klammerheftung bei 55 Seiten der verwendeten Papierstärke) halte ich für eine Schwachstelle (dass innerste Blatt hat sich in meinem Exemplar bereits aus einer der zwei Klammern gelöst). Angesichts des günstigen Preises, zu dem das Zine angeboten wird (7,99€), kann ich darüber aber auch nicht meckern.

    Ich bin gespannt auf die kommenden Ausgaben und kann Queer*Welten uneingeschränkt allen empfehlen, die Lust auf gute, vielseitige Fantasy und Science Fiction haben.

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