Queer*Welten: 02-2020 (Heft)

(1 Kundenrezension)

7,99 

Queer*Welten Band 2
Heft A5, 62 Seiten,
Ach je Verlag 2020 Berlin, AT&Tlantis, Tschuri

ISBN: 9783947720545

Ebenfalls als Ebook erhältlich

Lieferzeit: 2-3 Werktage

Beschreibung

Queer*Welten ist ein vierteljährlich erscheinendes queerfeministisches Science-Fiction- und Fantasy-Zine, das sich zum Ziel gesetzt hat, Kurzgeschichten, Gedichte, Illustrationen und Essaybeiträge zu veröffentlichen, die marginalisierte Erfahrungen und die Geschichten Marginalisierter in einem phantastischen Rahmen sichtbar machen. Außerdem beinhaltet es einen Queertalsbericht mit Rezensionen, Lesetipps, Veranstaltungshinweisen und mehr.

In dieser Ausgabe:
Held*innengeschichte von Aşkın-Hayat Doğan (Kurzgeschichte)
Was der Krieg frisst von Rafaela Creydt (Kurzgeschichte)
Sagittarius A* von Elena L. Knödler (Kurzgeschichte)
Von Orks, Briten und dem Mythos der Kriegerrassen (Teil 2) von James Mendez Hodes (Essay)
Comic von Sarah Burrini

Zusätzliche Information

ISBN

9783947720545

Verlag

Ach je Verlag

Umfang

62 Seiten

Herausgeberinnen

Kathrin Dodenhoeft, Judith Vogt, Lena Richter

Covergestaltung

Jack Sleepwalker

Endkund*innenrabatt

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1 Bewertung für Queer*Welten: 02-2020 (Heft)

  1. jonasjrichter

    Die zweite Ausgabe der Queerwelten umfasst drei Kurzgeschichten, einen Comicstrip von Sarah Burrini (Das Leben ist kein Ponyhof), sowie den zweiten Teil des Essays von James Mendez Hodes über rassistische Klischees in der Darstellung von Orks, und einen Rezensionsteil mit sieben Buch- und CD-Besprechungen, der wegen der anhaltenden Pandemie den eigentlich vorgesehenen „Queertalsbericht“ mit Veranstaltungshinweisen ersetzt.

    Ab hier gibt‘s Spoiler!

    „Was der Krieg frisst“, die Kurzgeschichte von Rafaela Creydt, erzählt von Ansha Wa, der „Mutter des Krieges“, Anführerin von Truppen, die gegen das Volk von Eis und Schatten im Norden kämpfen, und von einem ihrer Bogenschützen, einem Mann aus dem Süden, der lieber tanzt als in Schlachten zieht. Es ist – ausdrücklich – eine Geschichte für eine Gesellschaft, die vom Krieg träumt, weil sie vergessen hat, was er frisst. Ansha Wa und der Tänzer werden ein Paar. Als ein feindlicher Schatten nachts die Augen des Tänzers raubt, zieht Ansha Wa gegen den Willen ihres erblindeten Geliebten erneut in den Krieg, um sie wiederzuholen. Creydt konzentriert sich auf ihre Hauptcharaktere, während das Setting mit wenigen Andeutungen auskommt. Gerade den Feinden kommt diese Offenheit zu gute, da sich ihre Fremdheit beim Lesen freier entfalten kann, als wenn sie wortreich beschrieben wären. Für die Hauptfiguren und ihre Szenen arbeitet Creydt mit prägnanten Sätzen und Bildern (ganz wunderbar z.B. das Kaninchenfell) und schafft eine Balance zwischen Individualisierung und Schablone, die ihren Charakteren gerade genug Persönlichkeit gibt, um Interesse und emotionale Verbindungen zu wecken, die die Figuren gleichzeitig aber ausreichend typenhaft darstellt, um der Kurzgeschichte legenden- oder mythenhaftes Flair zu geben.

    Fans von Das Leben ist kein Ponyhof kennen Sarah Burrinis Comicstrip „Traditionen“ womöglich schon. Schnoddrig pointiert weist Burrini auf den Unwillen der weißen, deutschen Mehrheitsgesellschaft hin, sich mit den eigenen Rassismen auseinanderzusetzen und vertraute Traditionen rassimuskritisch zu hinterfragen.

    Aşkın-Hayat Doğans „Held*innengeschichte“ verpackt queerfeministische Kritik auf etwa zwei Seiten in eine Diskussion zwischen Sophie und ihrem Opi. Das hat mich nicht vollends überzeugt. Während die Stimme vom Opi glaubwürdig wiedergegeben ist (bis auf die etwas bemühten Kosenamen für das Kind), fand ich Sophies Wortwahl weniger passend für ein Kind, das einerseits schon selbst Geschichten über „Panthergirl, Hexerella oder Uberta von Dalâuen“ schreibt, andererseits offenbar erstmals Schneewittchen vorgelesen bekommt. Abgesehen von meiner Schwierigkeit, eine gute Vorstellung von Sophie zu bekommen, ist die Geschichte aber niedlich und der Großvater sehr sympathisch dargestellt. Dass der Opi queer ist, ist ebenfalls ein feiner Zug.

    Der letzte fiktionale Beitrag dieser Ausgabe stammt von Elena L. Knödler. „Sagittarius A*“ spielt in der fernen Zukunft; die Menschheit sieht sich mit dem Schicksal konfrontiert, bald auszusterben. Die Augmentierung der Sinneswahrnehmung durch Technologie ist ebenso normal wie nicht-binäre Identitäten und Pronomen (z.B. en/ems oder xier/xies), aber auch Vergangenheits- oder Zukunftsangst. Lah, die Hauptfigur, übernimmt zu Beginn der Erzählung die Historikabteilung auf einer Raumstation, die um ein schwarzes Loch kreist. Die Isolation wird durch die Ankunft eines Generationenschiffs unterbrochen. Echo, eine neu angekommene Physikerin, beschimpft Lah (oder genauer: ems Profession, die Geschichtsforschung), nutzlos zu sein und nichts zur Rettung der Zukunft beizutragen. Wie eine Raumstation in einem Gravitationsfeld kreist die Geschichte um diesen Knackpunkt. Ihre Antwort finde ich befriedigend und einleuchtend. Na gut, für dich versuche ich die Antwort wiederzugeben: Uns als Wesen mit einer Vergangenheit zu begreifen, gibt uns Orientierung. Es erlaubt uns, Motivationen und Richtungen für die Zukunft zu finden. Ohne Geschichte(n) wären wir ziellos in der Zeit – unfähig, unsere Zukunft bewusst zu gestalten.

    Nachdem der erste Teil von Mendez‘ Essay über Rassismus und Orks (in der vorigen Ausgabe) sich mit Tolkien und britischen Vorstellungen von „Kriegerrassen“ beschäftigte, widmet sich der zweite Teil den Darstellungen von Orks in den USA, unter anderem in Dungeons & Dragons, sowie dem Mechanismus der Entmenschlichung, der (nicht nur) hier zum Einsatz kommt. Besonders stark finde ich den Abschnitt, in dem es um typische Aussagen, mit denen das Festhalten an rassistischen Stereotypen verteidigt wird, und Argumenten gegen diese Positionen. Gut gefallen mir auch Mendez‘ konkrete Vorschläge, wie Orks in Rollenspielen und anderen fiktionalen Medien umgesetzt werden sollten, um den inhärenten Rassismus der gängigen Assoziationen zu untergraben.
    Die Hyperlinks des englischen Blogartikels sind in der deutschen Printfassung in Fußnoten umgewandelt; das ist zwar unhandlich, aber im gedruckten Text nicht besser zu lösen. Schön, dass Kathrin Dodenhoeft den Essay für die Queerwelten übersetzt hat.

    Nachdem die erste Ausgabe mich schon überzeugt hatte, bestätigt mich das zweite Heft in der Entscheidung, Queerwelten zu abonnieren. Ich freue mich schon auf die Nummer 3.

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